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House of One

Als „Trialogschule“ (Quandtstiftung) möchten wir das Gespräch, den Austausch und die Freude zwischen den drei Religionen immer wieder fördern. Deshalb bilden wir u.a. auch in diesem Jahr wieder Schüler und Schülerinnen des 4. – 6. Jahrganges zu Kirchen-, Mosche- und Synagogenführern aus. Die Schüler_innen werden in traditionellen Kostümen durch die Gotteshäuser führen. Dabei schlüpfen sie in eine andere Religion, um aus dieser ungewöhnlichen Perspektive das Wissen, Rituale und Gebräuche zu vermitteln.

Bei einem Besuch in der Sehitlik Moschee am 16.Januar 2015 lernten die Kinder der Rotmilane die Moschee und die Gebräuche des Islam hautnah kennen. Nun lernen die Rotmilane ihre Texte zu den verschiedenen Stationen, die sie dann als Moscheeführer an Kinder und Erwachsene weitergeben. Die Termine für die Führungen durch die Sehitlik Moschee mit den Rotmilanen sind:

18.3.2015  13.00 – 14.30 Uhr

26.3.2015  13.00 – 14.30 Uhr

Es sind alle herzlich eingeladen dabei zu sein.

Noch führen die Kinder in unterschiedlichen Gotteshäusern Berlins. Sie tun dies im Hinblick und mit der festen Zuversicht, bald  im gemeinsamen „house of one“ durch die drei Religionen führen zu dürfen. Wir unterstützen den Bau des „house of one“ mit all unseren Schülern, Eltern, Kollegen und Freunden.

 

www.house-of-one.org

 

 

Projektbeschreibung

Kurzbeschreibung

In der Evangelischen Schule Berlin Mitte lernen Kinder unterschiedlicher Kulturen und Religionen. Im Religionsunterricht lernen die Kinder Inhalte, Traditionen, Feste, Rituale und Werte der drei Religionen: Judentum, Christentum und Islam kennen. Immer wieder wird dabei ihre Neugier und Freude für Unbekanntes geweckt. Sie entdecken Gemeinsamkeiten in den Geschichten und dem gelebten Glauben. Die gegenseitige Bereicherung durch unterschiedliche Festbräuche, Wichtigkeiten und deren Ausdrucksformen eint die Kinder im Gefühl einer Geschwisterlichkeit der Religionen. Als Trialogschule (Quandtstiftung) möchten wir das Gespräch, den Austausch und die Freude zwischen den drei Religionen immer wieder fördern. Deshalb bilden wir u.a. auch in diesem Jahr wieder Schüler und Schülerinnen des 4. – 6. Jahrganges zu Kirchen-, Mosche- und Synagogenführern aus. Die Schüler_innen werden in traditionellen Kostümen durch die Gotteshäuser führen. Dabei schlüpfen sie in eine andere Religion, um aus dieser ungewöhnlichen Perspektive eben das Wissen, Rituale und Gebräuche zu vermitteln. Aus dieser Position wächst ihre Achtung und Wertschätzung gegenüber Menschen dieses Glaubens erheblich, denn sie waren/ sind selbst Teil davon.

Noch führen die Kinder in unterschiedlichen Gotteshäusern Berlins. Sie tun dies im Hinblick und mit der festen Zuversicht, bald  im gemeinsamen „house of one“ durch die drei Religionen führen zu dürfen. Wir unterstützen den Bau des „house of one“ mit all unseren Schülern, Eltern, Kollegen und Freunden.

 

Vorläufige Planung/ Ablauf

Die Klasse der “Felsenpinguine” (4.-6. Jg.) wird zu Synagogenführern ausgebildet.

Zeitraum: von März  - Juni 2015

Führung in der Synagoge am Fraenkelufer:  10.3. 2015  11.30 – 12.30 Uhr oder

                                                                        17.3. 2015 13.30 – 14.30 Uhr ???

 

Besuch des Grundstückes „house of one“    24.2.2015

Besuch des jüdischen Religionsunterrichtes in der Synagoge Oranienburger Straße  (noch offen)

Ausbildung der Schüler und Lernen der Inhalte im Religionsunterricht der Schule

Schüler führen selbst an verschiedenen Standorten (gleichzeitig) in der Synagoge am Fraenkelufer

Führen an verschiedenen Stationen zu folgenden Inhalten:

+ Thoraschrein

+ Lesepult (Bima)

+ Mikwe (rituelle Reinigung)?

+ Geschichte des Judentums in Berlin

+ Geschichte der Synagoge

+ Shabbat und Sidur

+ house of one

+

+

 

Die Klasse der „Rotmilane“ (4.-6. Jg.) wird zu Moscheeführern ausgebildet.

Zeitraum: von Januar – März 2015

Führungen in Sehitlik – Moschee: 18.3.2015  13.00 – 14.30 Uhr

                                                        26.3.2015  13.00 – 14.30 Uhr 

 

Besuch der Sehitlik Moschee         16.1.2015

Besuch des Grundstückes „house of one“  Montag, 9.2. 2015

Ausbildung innerhalb des Evangelischen Religionsunterrichtes der Schule

Führen an verschiedenen Stationen zu folgenden Inhalten:

+ Reinigung vor dem Gebet

+ Gebet/ Gebetskette/ Koran

+ Gebetsnische (Mihrab)/ Pilgerreise nach Mekka

+ Kanzel (Mimbar) und Lehrstuhl (Kursi)

+ Kalligraphie

+ Architektur/ Bauweise

+ Minarett/ Ruf des Muezzin

+ house of one

 

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Die Klasse der „Schneeleoparden“ wird zu Kirchenführern ausgebildet.

Zeitraum: von März – Juni 2015

Führungen in der Marienkirche:  7.  6. 2015 nach Gottesdienst/ Taufgedächtnis

                                                    12. 9. 2015 Fest der Kirchen / Kirchencafè der Eltern

                                                    18.11.2015 Buß – und Bettag 10 – 12 Uhr

                                                    29.11.2015 1. Advent/ Gemeindefeier

Besuch der Marienkirche                              (noch offen)

Besuch des Grundstückes „house of one“  27.2.2015

Ausbildung innerhalb des Evangelischen Religionsunterrichtes der Schule

Führen an verschiedenen Stationen zu folgenden Inhalten:

+ Kirchenbau im Mittelalter und Umbau

+ Ablasshandel

+ Lutherdenkmal/ alte Fundamente und Neugestaltung

+ Reformatorisches Erbe: Bibel und Gottesdienst

+ Martin Luther als Zweifler

+ house of one

 

Im Hort werden kleine Bausteine als Bausymbol für das house of one aus Ton hergestellt. Diese werden jeweils bei Führungen u.a. Gelegenheiten verkauft, um den Bau zu unterstützen.

Artikel von Frau Sterzer zum 1. Moschee-Besuch

Schüler der Evangelischen Schule Berlin-Mitte als Moscheeführer


Friedlich und beeindruckend steht sie da mit ihren grazilen Minarett-Türmen, der schneeweißen Fassade und dem gepflegten Vorplatz mit dem kleinen Friedhof. Die sunnitische Sehitlik-Moschee liegt am Columbiadamm in Neukölln zwischen Hasenheide und Tempelhofer Feld und hat ihre Pforten weit geöffnet für gläubige und nichtgläubige Besucher.


Die Rotmilane, Schüler des 4. bis 6. Jahrgangs der Evangelischen Schule Berlin Mitte (ESBM), werden von einer jungen Frau mit Jeans, Schlabberpulli und Pferdeschwanz empfangen. Özlem studiert BWL, arbeitet ehrenamtlich in der Moschee und ihr Name bedeutet Sehnsucht. Sie wird der wissbegierigen Gruppe für die nächsten zwei Stunden viel über die Moschee und den Islam erzählen. Dabei geht es nicht um Tourismus, sondern um ein Projekt des House of One. Die ESBM bildet zusammen mit der evangelischen Mariengemeinde, der Sehitlik-Moschee und der Synagoge am Franklinufer Schüler dreier Klassen zu Kirchen-, Moschee- und Synagogenführern aus. An zunächst zwei Terminen im März werden die Führer dann Besuchern über die Architektur und deren religiöser Symbolik erzählen – und hoffentlich auch alle Fragen beantworten können.


Moschee-Architektur als Symbol für die Schöpfung


Aber heute sind sie erstmal selbst dran. Die Rotmilane erfahren, dass die Sehitlik-Moschee die Welt darstellt. Die weiß und blau gehaltene Kuppel steht für den Himmel und die Wolken. Eine Umrandung symbolisiert den Horizont und der große, goldfarbene Kronleuchter stellt die Sonne dar. Auch Sterne und Bäume finden sich in der Architektur. Der dicke, türkise Teppich ist mit den Blumenornamenten leicht als Wiese zu erkennen. In dieser Miniaturwelt „versammeln sich die Muslime als Teil der Schöpfung und lobpreisen Gott“, erklärt Özlem.


Wissenswertes über den Islam und fremdartige Bräuche


Die Kinder erfahre an diesem Nachmittag noch viel über den Imam, der das Gebet leitet, das Gebetsritual, das bei Frauen und Männern leicht unterschiedlich abläuft und warum eine Pilgerreise nach Mekka recht teuer ist. Sie erfragen die Bedeutung der arabischen Kalligraphie an den Wänden und sind sehr interessiert am Leben muslimischer Gläubiger. Die Geschlechtertrennung beim Beten finden die Schüler eher seltsam und diskutieren sie ausführlich. Auch das Fasten während des Ramadans wirft viele Fragen auf und das Thema „Kopftuch“ muss Özlem, die selbst keins trägt, genau erläutern.


Die Führung ist längst beendet, aber noch immer haben die Rotmilane viele Fragen. Nach dem Attentat auf die französische Satirezeitschrift Charlie Hebdo und den jüdischen Supermarkt in Paris, vor neun Tagen fragt niemand. Es gibt ganz offensichtlich keinen Zusammenhang zwischen dieser friedlichen und weltoffenen Gemeinde und islamistischen Terroristen.


In den nächsten Wochen werden die Rotmilane die Führung durch die verschiedenen Stationen in der Moschee üben. Am 18. und 26. März können sich dann alle Interessierten von den Schülern die Moschee zeigen und erklären lassen.


Autor: Sibylle Sterzer


1. Moschee-Besuch der Rotmilane

Der Petriplatz

Ein ungewöhnlicher Traum an der Leipziger Straße-ein Ausflug der Rotmilane zum House Of One.
„Ist das alles“? fragt ein Schüler. Mit seiner Frage trifft er die zunächst ratlose Stimmung beim Anblick der tristen Brache und dem auf ihr platzierten gewächshausähnlichen Bau mit der dunklen Plane. Es ist Montagmorgen, das Wetter kühl und regnerisch, der Himmel grau verhangen. Die Rotmilane befinden sich zusammen mit ihrer Religionslehrerin Susanne Wittenberg-Tschirsch und ihren Klassenlehrerinnen Maike Neuwirth und Kerstin Hagedorn auf einem einen Ausflug zum House of One. Begleitet werden sie von drei Müttern. Vorort zeigen sich vor allem einige der Erwachsenen mehr fasziniert von den verbliebenen Werbeplakaten am benachbarten Jugendkaufhaus aus DDR-Zeiten als von der tristen Brache. Ob wir vielleicht in das Innere dieses Gewächshauses gehen, spekulieren einige noch, als Pfarrer Eric Haußmann von der Marienkirche die Rotmilane empfängt und sie in ein richtiges Gebäude führt. Und dann beginnt er zu erzählen, von einem Traum, den einst drei Männer hatten, dem Traum eines Tisches auf einer freien Wiese, an den sich erst wenige Gäste und schließlich Gäste aus aller Welt setzten würden um gemeinsam zu speisen und sich zu unterhalten, und der schließlich von einem großen Zeltdach bedeckt ist: Dem House of One. Ein Haus für drei Religionen, die an einen Gott glauben. Für das sich ein protestantischer Pfarrer, ein Rabbiner und ein Iman gemeinsam engagieren. Die Wahl des Grundstücks fiel auf christlichen Grund, unter dem die Fundamente der ältesten Kirche von Berlin liegen, der Petrikirche. Das zukünftige dreistöckige Gebäude existiert bereits als Modell, Sieger des Architekturwettbewerbes, das Eric Haußmann den Kindern präsentiert. Im Gewölbe des schnörkelosen eleganten Ziegelsteinbaus sollen die Fundamente der Petri- Kirche zu besichtigen sein. Im Stockwerk darüber ist ein Raum für ein Cafe geplant und im nächsten Stockwerk liegt das Herzstück des House of One: Der Zentralraum. Aus ihm führen drei Türen zu den drei Gottesräumen der Juden, Christen und Muslime. Nur durch diesen Raum gelangen die Gläubigen in ihre Gotteshäuser. Auf diese Weise wird er zum Raum der Begegnungen-und zur gelebten Toleranz.
„Kann man dorthin auch einfach so gehen oder muss man beten?“ lautet nur eine der vielen Fragen und Überlegungen der Rotmilane zum House of One. Auch der Iman kommt kurz vorbei, begrüßt die Rotmilane. Gegen Ende der Führung können die Rotmilane noch die anderen Architekturmodelle in Augenschein nehmen. Hätten sie die Wahl gehabt, so hätten wohl die meisten jenes in Form einer blühenden Blume ausgewählt.
Am Ende wirkte die triste Brache mit ihrem gewächshausähnlichen Bau an der Leipziger Straße nicht mehr trist, sondern sehr verheißungsvoll. Als würde sehr bald das House of One sie schmücken. Unter der dunklen Plane graben Archäologen bereits die Fundamente der Petrikirche aus. Um seine Unabhängigkeit zu wahren, soll das House of One nur aus Spendengeldern finanziert werden. 150.000 Ziegelsteine warten schon auf ihre Bestimmung, gespendet aus der ganzen Welt. Vier Millionen Steine braucht es etwa, damit religiöse Toleranz ein Haus bekommt. In der Töpferwerkstatt der ESBM stellen Schulkinder unter der Anleitung von Ellen van den Bosch bereits kleine Ziegelsteine her. Zur Unterstützung des House of One, dieses ungewöhnlichen Traumes an der Leipziger Straße. Der an diesem Montag viele neue begeisterte Anhänger gewonnen hat.

Petriplatz

Muslima und Kopftücher

Muslimische Frauen in der ESBM

Zur  Vorbereitung der Führungen in der Sehitlik Moschee lernten die Mädchen das Kopftuch – Binden. Dazu waren Berrin Ileri ( mit ihrem 1 jährigen Sohn) und ihre Freundin Esma in unsere Schule gekommen. Berrin gehört als Muslima dem Forum für interreligiösen Dialog an und arbeitet im Verein für das house of one aktiv mit.

Eine reiche Auswahl an Farben und Stoffen versetzen die Mädchen gleich in Begeisterung. Alle waren sehr ergriffen und berührt während ihnen das Tuch gebunden wurde. Sie sagten, sie fühlen sich geborgen und sicher unter dem Kopftuch. Stolz zeigten sie sich ihren Mitschülern im anderen Klassenraum.

Die Jungs folgten dem Geschehen gespannt und hörten aufmerksam die erklärenden Worte der muslimischen Frauen, die sich selbstbewusst, fröhlich und offen den Fragen der Kinder stellten.

Mir wurde sehr deutlich, dass Kinder noch einen unvoreingenommenen natürlichen Zugang zum Unbekannten haben und  aus eigenem Erleben heraus Gefühle spürbar werden lassen, darüber erzählen und argumentieren können.

Muslima und Kopftücher

Mini Imamae

Gottesdienst der Rotmilane für house of one

Schulgottesdienst am 23.3.2015 in der Marienkirche

 

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des EINEN:

Im Namen des Vaters, Adonai, Allah

So sprechen es die Schüler der Rotmilanen-Klasse als Pfarrer, Rabbi und Imam. Das ist der Traum, der im house of one wahr werden soll. Der Traum von einem großen gedeckten Tisch wird in der Marienkirche gegenwärtig. Menschen kommen aus allen Richtungen und bringen ihre Gaben;  verschiedenste Brote, Früchte aus aller Welt, Wasser und Wein, Süßes… der Tisch reicht nicht aus. So begann einst die Idee vom house of one. Menschen aus Berlin, Deutschland, Europa aus aller Welt haben einen Ort, an dem sie sich miteinander erleben dürfen in all ihrer Unterschiedlichkeit der Traditionen, Sprache, Herkunft, Glauben, Denken…- ein Ort der EINEN Gemeinschaft, der EINEN Menschheit, der EINEN Liebe, der EINEN  Schöpfung, der EINEN Vernunft, der EINEN Welt, des EINEN Gottes…

Pfarrer: „Friede sei mit euch!“ –  „Und mit deinem Geist!“

Rabbi:   „Schalom alechim!“      -  „Schalom alechim!“

Imam:  „Salam aleikum!“           -  „Aleikum salam!“

Gottesdienst der Rotmilane

Moscheeführung am 18.03.2015

Lebendiger interreligiöser Dialog:

Schüler und Schülerinnen der ESBM als Moscheeführer der Sehitlik Moschee in Berlin Neukölln

 

Sie verstehen sich als Geschwister der Muslime - nein: als Geschwister aller Menschen - und wollen das Gespräch zwischen den Kulturen. Dass jedenfalls erfahren wir von den jungen Moscheeführern in der Sehitlik Moschee in Berlin Neukölln. Sie sind Schüler und Schülerinnen der Evangelischen Schule Berlin Mitte und wurden im Rahmen des Religionsunterrichts von Susanne Wittenberg-Tschirch ausgebildet.

 

 

Berlin, 18. März 2015 Es ist nicht das erste Mal, dass die Rotmilane der ESBM die Sehhitlik Moschee besuchen. Die Schüler und Schülerinnen kennen das Gebäude des 2004 fertiggestellten Gotteshauses in Berlin Neukölln schon durch vorherige Besuche. Damals hatten sie sich selbst durch die Moschee führen und sich die ihnen da noch fremden religiösen Rituale erklären lassen. Inzwischen kennen sie all das und sind selbst ausgebildete Moscheeführer. Heute sollen sie drei Klassen des Evangelischen Gymnasiums Berlin Köpenick durch die Moschee führen.

 

Die Moscheeführer sind etwas früher vor Ort. Einige von ihnen ziehen sich im sonnigen Hof zurück, um die Passagen nochmal zu üben, die noch nicht richtig sitzen. Die übrigen Kinder bringen die traditionellen Gewänder, in die sie wenig später schlüpfen werden, schon einmal in den Gebetsraum der muslimischen Frauen, wo heute zum Umkleiden auch junge (männliche) Schüler geduldet werden.

 

Noch ist Zeit genug, dem Ruf des Muezzin zu folgen und dem traditionellen Gebet der Muslime als Beobachter beizuwohnen. Heute findet eine Beerdigung statt. Im Gebetsraum sitzen Männer unterschiedlichen Alters von sehr jung bis sehr alt lässig und entspannt auf dem flauschigen Teppichboden, durchaus im munteren Gespräch: Die Moschee ist auch ein Ort des lebendigen sozialen Austausches. Doch dann wird es still, die Männer stellen sich in Reihen zum Gebet hinter ihren Imam, ihre stummen Rituale werden nur vom Zwitschern der Vögel unterbrochen, die im großen Rund der Kuppel  umherschwirren. Die Frauen können wir nicht sehen. Sie beten eine Etage tiefer von den Männern getrennt.

 

Während die Geschlechter nach dem Gebet im Hof der Moschee wieder zusammenfinden, wird es äußerst trubelig im großen Gebetsraum. Die Schüler und Schülerinnen der ESBZ sind inzwischen umgezogen, haben sich an verschiedenen Posten aufgestellt und warten auf die Gymniasasten aus Köpenick. Doch nicht nur in der Moschee werden Besucher erwartet: Bereits vor der Moschee im Waschraum warten je ein Junge und Mädchen auf die ersten Besucher, um ihnen die rituelle Waschung zu zeigen. Der Unterricht ist anschaulich, die Waschung wird am eigenen Leib vorgenommen und wer will kann mitmachen: um im Gebet rein vor Gott zu treten. Am Eingangstor zur Moschee weist eine Schülerin darauf hin, dass vor dem Betreten die Schuhe ausgezogen werden müssen und zeigt ebenfalls, wie es geht und wohin mit dem Schuhwerk. Im Karussellsystem können die Besucher in der Moschee sich dann schließlich von Station zu Stationen treiben lassen, und von einem Posten zum anderen mäandern, ganz so, wie es ihnen beliebt, es gibt keinen vorgeschriebenen Ablauf: Hier erfahren die interessierten und an ihre Altersgenossen viele Fragen stellenden Gymnasiasten aus Köpenick etwas über die Architektur und Geschichte der Sehitlik Moschee, die auf den ersten türkischen Botschafter und den für ihn eingerichteten türkischen Friedhof zurückgeht oder über die hier zu findenden Symbole: So symbolisiert der große Kronleuchter unter der Decke beispielsweise die Sonne, während der grüne Boden eine grüne Wiese darstellt und die Säulen in den Himmel wachsende Palmen, der seinerseits mit Sternen übersät ist .... Wir erfahren etwas über die nach Mekka ausgerichtete Gebetsnische, und warum sie Richtung Kaaba zeigt, ja überhaupt: was diese Kaaba ist. Wir können sehen, wo der Imam seine Gewänder ablegt (unter der Kanzel) und dass dieser allein aufgrund der architektonischen Beschaffenheit der Kanzel diese demütig-gebückt erklimmen muss - damit er in seinen Predigten symbolisch immer auf Augenhöhe mit seinen Zuhörern und ihnen zugewandt bleibt. Wir erlernen die Abläufe des Gebets und sind eingeladen mitzumachen. Auch die Bedeutung der Gebetskette wird erklärt. Aus einer Ecke der Moschee ruft beständig der Muezzin: Ein Schüler singt unbeirrt und sehr beeindruckend über eineinhalb Stunden hinweg mit erstaunlicher Präzision den arabischen Text, der die Gläubigen Muslime zum Gebet ruft. Er erntet am meisten Respekt, denn: Wer traut sich das sonst schon?!

Schließlich weisen zwei Kinder darauf hin, dass die Schüler und Schülerinnen der ESBM nicht nur durch die Moschee führen, sondern auch durch die Synagoge am Fränkelufer und die Marienkirche. All dies dient nicht nur einem anschaulichen Religionsunterricht, sondern auch dem Gespräch der Kulturen untereinander. So sind die Moscheeführungen auch als Teil des Projekts "House of One" zu verstehen: ein Haus, das allen Menschen offen stehen soll - unabhängig von Religion oder Nationalität. Die Führung der Kinder durch die Moschee macht diese Vision anschaulich und greifbar und lässt in uns den Wunsch erwachsen, dass sie bald Realität wird.

Maren Lübbke-Tidow

Moscheeführung

house of one

 

 

                                 www.house-of-one.org